Ohne Noten und ohne Sitzenbleiben: Sind die Kinder da überhaupt zum Lernen zu bringen?

Wenn Leistungen nur erbracht werden, weil schlechte Noten oder gar Sitzenbleiben drohen, dann ist an der Pädagogik irgendetwas faul.

Die Waldorfschule stimmt ihren Unterricht stets auf die jeweilige Entwicklungsphase der Schüler ab, was dazu führt, dass immer der Unterrichtsstoff angeboten wird, der auf ein gewisses "natürliches" Interesse stößt. Außerdem bemühen sich Waldorflehrer besonders darum, ihren Unterricht bildhaft und lebensnah zu gestalten. So sollen die Kinder und Jugendlichen nicht aufgrund eines inhaltsfremden Leistungsdrucks, sondern aus einer gesunden Motivation heraus lernen.

Außerdem bedeutet Verzicht auf Noten nicht Verzicht auf Rückmeldung über gute oder schlechte Leistungen. Im Gegenteil: Die sorgfältig ausformulierten und konkret auf das einzelne Kind bezogenen Bewertungen geben diese Rückmeldung in einer viel verständlicheren Form. Während eine schlechte Note in einem Fach, für das man nicht so begabt ist, nur zur Frustration führt, verstärkt eine gute Note in einem Fach, das einem liegt, nur die Tendenz sich locker durchzumogeln.

Die ausformulierten Zeugnisse der Waldorfschule hingegen können bis in die obersten Klassen hinein eine konkrete Hilfe sein, den eigenen Lernfortschritt realistisch zu bewerten. Derjenige, der aus einer schwachen Position heraus einen für ihn bemerkenswerten Fortschritt macht, kann ermutigt werden, während dem "Überflieger" in einem Fach deutlich gemacht werden kann, dass er zu weit mehr in der Lage wäre.