Der Waldorf-Lehrplan und seine Hintergründe
Der Unterricht an der Waldorfschule orientiert sich unverändert an den Gedanken, die Rudolf Steiner
um 1920 herum zur damals so genannten "Volkspädagogik" entwickelt hat
und die kurz darauf dann Grundlage für die erste von ihm gegründete und
anfangs auch geleitete Waldorfschule in Stuttgart waren.Steiner
wollte "eine Einheitsschule für alle Menschen", denn die Gesetze nach
denen sie sich entwickeln, sind, so sagte er, für alle Menschen die
gleichen. Auch
sollte - so führte Steiner damals aus - "ein gewisser Grundstock an
Bildung für die Menschen aller Klassen derselbe sein". Zugleich sollte
diese Schule aber - vor allem in den höheren Klassen - durchaus
spezialisierte Angebote machen, je nachdem ob ein Schüler "Tischler-
oder Maschinenlehrling oder vielleicht selber Lehrer wird". Und so wie
der eine eine gute Allgemeinbildung mitnehmen sollte, müsste der andere
sich auch mit Aspekten des praktischen Arbeitslebens beschäftigen: "Es
wird kein Mensch durch dieses Lebensalter hindurchgehen dürfen, ohne
dass er eine Ahnung bekommt von dem, was beim Ackerbau, im Handel, in
der Industrie, im Gewerbe geschieht. Diese Dinge", so formulierte es
Steiner recht drastisch, "werden aufgebaut werden müssen als
Disziplinen, die unendlich viel notwendiger sind als vieles Zeug, das
jetzt den Unterricht dieser Lebensjahre ausfüllt."
Vor allem sind es also drei Aspekte, die den Lehrplan der Waldorfschule bestimmen:
- die Entwicklung des Kindes hin zum Erwachsenwerden und das, was zur Förderung dieses Prozesses im jeweiligen Lebensalter "gebraucht" wird,
- eine fundierte Allgemeinbildung und
- eine möglichst klare und umfassende Vorstellung vom Leben als Erwachsener, von der Wirtschaft und der Arbeitswelt.