Förderpreis Schule und Wirtschaft
Waldorfschule Neumünster ausgezeichnet für "vielfältige Aktivitäten im Bereich der Berufsorientierung"
[wf] Erstmals in diesem Jahr hat die
schleswig-holsteinische "Initiative für Beschäftigung" einen
Förderpreis für Schulen ausgeschrieben, die sich in
besonderer Weise dafür einsetzen, ihren Schülerinnen und
Schülern den Start in die Berufs- und Arbeitswelt zu erleichtern.
54 Schulen aus Schleswig-Holstein haben sich dafür beworben, elf
davon wurden jetzt mit einem Preis ausgezeichnet - darunter auch die
Freie Waldorfschule Neumünster. In der Landesbank Kiel wurde der
Preis - ein Scheck in Höhe von 500 Euro - in Anwesenheit von
Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave überreicht.
Waldorfschulen an sich tun - ganz im Gegensatz zu dem ihnen
hartnäckig anhaftenden Etikett der Weltfremdheit - schon immer
sehr viel für eine Arbeitsweltorientierung ihrer Schülerinnen
und Schüler. Man denke nur an die Landwirtschafts- und
Hausbauepochen in den dritten und vierten Klassen, an den sehr ernst
genommenen Handarbeits-, Handwerks- und Gartenbau-Unterricht oder an
das Feldmess- und Sozialpraktikum in der Oberstufe. Auch die meist
ebenfalls sehr praktisch angelegten Jahresarbeiten zum
Waldorfschulabschluss lassen sich durchaus dazu zählen. Die Freie
Waldorfschule Neumünster aber hatte sich schon bei ihrer
Gründung vorgenommen, ihren Schwerpunkt noch weiter gehend auf den
Bereich der Berufsorientierung zu legen.
Entstanden ist daraus ein umfassendes Praktikumskonzept, das mit einem
zweieinhalbwöchigen Handwerkspraktikum in der 8. Klasse beginnt,
sich dann über das Landwirtschaftspraktikum in der 9. und das
Feldmesspraktikum in der 10. Klasse - beide "waldorfüblich" - dann
fortsetzt zu einer Serie von drei jeweils vierwöchigen
Berufspraktika in der 11. und 12. Klasse. Mit zum Konzept gehören
natürlich eine entsprechende Vor- und Nachbereitung im Unterricht
und eine sorgsame Betreuung der Praktika mit vielen Kontakten zu den
Praktikumsbetrieben.
Darüber hinaus arbeitet die Waldorfschule Neumünster zur Zeit
daran, die Kontakte zu kleinen und größeren Unternehmen in
und um Neumünster auszubauen und zu neuen Formen der Kooperation
zwischen Schule und Unternehmen zu kommen. Dazu hat es in 2001 eine
mehrtägige Veranstaltung unter dem Titel "Schule &
Arbeitswelt" gegeben, bei der es unter anderem zu sehr fruchtbaren
Gesprächen zwischen Oberstufenschülern und
Wirtschaftsvertretern gekommen ist und die auch in der Presse
Aufmerksamkeit gefunden hat.
Fortgesetzt wurde diese Arbeit nun mit der Gründung eines
"Gesprächskreises Schule & Arbeitswelt", in dem
Unternehmensvertreter und Pädagogen nach neuen Wegen bei der
Praktikums-Gestaltung suchen wollen. Ein erstes Gespräch hat
bereits stattgefunden und zu interessanten Ideen geführt. Unter
anderem soll weiter daran gearbeitet werden, den bisher recht starren
Aufbau der Praktika flexibler zu gestalten, beispielsweise durch
kürzere Praktikumsphasen, die sich dann aber über einen
längeren Zeitraum erstrecken und die Möglichkeit bieten,
umfangreichere Projekt zu realisieren. Die größte
Herausforderung für die Schule wird es dabei sein, zu einer
stärkeren Integration von Praxis und Unterricht zu kommen.

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