9. Klasse im Landwirtschaftspraktikum

Zwei Fliegen mit einer Klappe - mindestens!
Zwei Drittel der Klasse auf Praktikum im Ausland

[wf] Ein Landwirtschaftspraktikum findet an so gut wie allen Waldorfschulen jeweils in der 9. Klasse statt. Wie und auch wo dieses Praktikum durchgeführt wird, das ist allerdings an allen Schulen ein wenig anders. Da fährt die ganze Klasse zusammen auf einen großen Bauernhof oder die Schülerinnen und Schüler teilen sich jeweils zu zweit oder dritt auf mehrere Höfe auf. Die einen bleiben in der Nähe, die anderen fahren ein wenig weiter weg.

An der Waldorfschule Neumünster hat sich nun im Laufe der letzten Jahre "fast wie von selbst" eine neue und interessante Tradition entwickelt. Immer mehr Schülerinnen und Schüler machen ihr Landwirtschaftspraktikum im Ausland. Die Bandbreite reichte in vergangenen Jahren schon von Griechenland über Südfrankreich bis nach Schottland.


ACHTUNG: Adressenlisten von biologisch-dynamisch wirtschaftenden Bauernhöfen im In- und Ausland, die meist auch Praktikanten aufnehmen, sind zu erhalten über den "Forschungsring für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise" >> Kontakt


Durch ein Landwirtschaftspraktikum im Ausland werden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Wie bei jedem Landwirtschaftspraktikum lernen die jungen Leute sich in eine andere soziale Gemeinschaft einzufügen, verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen und Durchhaltevermögen zu zeigen, wenn es z.B. darum geht, auf einem unübersehbar großen Feld Unkraut zu jäten. Bei einem Praktikum im Ausland kommt aber noch hinzu, in eine fremde Kultur einzutauchen und sich in einer unbekannten, zumindest aber ungewohnten Sprache zurechtfinden zu müssen.

In diesem Frühsommer hatten besonders viele Neumünsteraner 9.-Klässler das Glück, das erleben zu dürfen. Von den 29 jungen Leuten war es fast zwei Dritteln (!) gelungen, für ihr Praktikum einen Bauernhof im Ausland zu finden, genauer gesagt: in Schweden, in Polen, der Schweiz, in Frankreich, England und Schottland.

Das freute auch den langjährigen Betreuer der Landwirtschaftspraktika, Harald Salzmann - denn das Kollegium unterstützt den "Drang" ins Ausland nach Kräften. Zwar müssen sich alle Schüler ihre Praktikumsstelle selber besorgen, aber sie greifen natürlich zurück auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Und die Liste der infrage kommenden ausländischen Höfe ist in diesem Jahr gleich ein ordentliches Stück länger geworden. So gab es bisher nur einen schwedischen Hof - jetzt sind es drei. Aber auch in den anderen Ländern gibt es jetzt neue attraktive Angebote.

So hatten die 9-Klässler vor etwa hundert Eltern und Mitschülern eine Menge zu berichten. Die Vorbereitungen waren - so konnte man hören - oft mühselig und zeitraubend. Da mussten bis zu 25 Briefe geschrieben und ebenso viele Absagen verkraftet werden, ehe es dann endlich klappte. Und die Arbeit auf den Höfen war auch nicht immer ein Zuckerschlecken. Da galt es frühmorgens aufzustehen und schon vor dem Frühstück Tiere zu versorgen, manchmal musste sogar die Mittagspause ausfallen, weil zu viel Arbeit wartete. Die meisten Arbeitstage reichten von 6 bis 19 Uhr, mit einer 1- bis 2-stündigen Pause.

Viel Freude machte natürlich immer die Arbeit mit den Tieren. Und auch da wurde einiges geboten: Zu versorgende Pferde, Esel, Kühe, Schafe und Hühner waren der Normalfall, es gab aber auch Strauße und Lamas. Und auf einem der schwedischen Höfe brach eines Nachts ein Jungbulle aus und musste in einer abenteuerlichen Jagd wieder eingefangen werden. Den verdienten Ausgleich bot dann eine "Elchsafari" um Mitternacht mit schwedischen Volkstänzen.

Überhaupt fühlte man sich fast immer gut aufgehoben und angenommen. Auch wenn die Behausungen manchmal etwas sehr spartanisch ausfielen, die Freundlichkeit, Offenheit und Fürsorge, die den jungen Deutschen fast überall entgegengebracht wurde, Ließ am Ende nur Platz für angenehme Erinnerungen.

Vor allem auch die Notwendigkeit, sich in einer anderen Sprache zurechtzufinden - auf den meisten ausländischen Bauernhöfen wurde natürlich kein Deutsch gesprochen - haben alle Schülerinnen und Schüler als bereichernd erlebt. Besonders galt das natürlich für die, die von dem kleinen Schub in Englisch oder Französisch auf für ihren Unterricht profitieren konnten. Und einige haben dann sogar einen Teil ihrer Sommerferien genutzt, um noch einmal auf "ihren" Hof zu fahren und dort bei Arbeit zu helfen.

Und so waren sich am Ende dann auch alle "Ausländer" einig: Ein Landwirtschaftspraktikum im Ausland ist nur zu empfehlen. Man darf also gespannt sein, wie viele Schülerinnen und Schüler der nächsten 9. Klasse diesem Vorbild folgen werden.

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